Gastro-Szene in Berlin

Ein köstliches Menu aus Neuem und Etabliertem in der Berliner Gastronomie

© visitBerlin, Foto: Philip Koschel

Berlin, März 2017 In den letzten Jahren ist Berlin zu einem kulinarischen Hotspot avanciert, in dem Trends nicht nur aufgegriffen, sondern auch gesetzt werden. Getrieben von Experimentierlaune, Weltoffenheit und einer Leidenschaft für Qualität treffen in der Metropole kreative Küchenzauberer auf kulinarische Freigeister. Hier gibt es sowohl die meisten Michelin-Restaurants Deutschlands als auch eine fabelhafte Vielfalt an Geschmackserlebnissen. Ein Überblick.

Gourmets sehen Sterne

Die 2017 Ausgabe des Restaurantführers Michelin hat Berlin wieder einmal zur deutschen Gourmet-Hauptstadt gekürt. 18 Restaurants wurden ausgezeichnet, davon 11 mit einem Stern und sieben mit zwei Sternen.

Neu im Bunde ist das einsunternull, das unter Küchenchef Andreas Rieger bereits nach nur einem Jahr in die Liga der besten Restaurants aufgenommen wurde. Seit November 2015 überzeugt er in dem stilvoll-modern eingerichteten Lokal mit seinem eigenwilligen Kochstil, der von Feld, Wald und Wiese inspiriert wird. Mit Respekt und Leidenschaft für das Produkt werden möglichst heimischen Zutaten komplexe Aromen entlockt. Langsam und bewusst sollten die kunstvoll präsentierten Gerichte genossen werden. Dass es dazu auch die passenden Weine gibt, dafür sorgt Besitzer und begnadeter Sommelier Ivo Ebert höchstpersönlich.

Auch in Marco Müllers Restaurant Rutz spielt Wein eine wichtige Rolle. Mehr als 800 Positionen stehen zur Auswahl, was sicher auch dazu beigetragen hat, dass Inhaber und Chefkoch Marco Müller 2017 einen zweiten Michelinstern einheimsen konnte. Seine Küche steht für Klarheit, Kreativität und Kontraste und punktet mit aufregenden Aromen. Im Erdgeschoss betreibt Müller die Weinbar Rutz, in der es entspannter und regionaler zugeht.

Einen Schritt weiter geht Billy Wagner im Nobelhart & Schmutzig. „Brutal lokal“ ist das Konzept des Star-Sommeliers, der sein Handwerk u.a. bei Müller gelernt hat. Soll heißen: Sämtliche Zutaten kommen kompromisslos aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und der Ostsee. Folglich wird weder Pfeffer noch Zitronen genutzt, alles ist frisch und saisonal oder durch Pökeln, Einwecken und Fermentieren traditionell und auf natürliche Weise konserviert. Bereits 2016 wurde dieser Ansatz, der als einer der hipsten in Deutschlands Gastroszene gilt, mit einem Stern bedacht.

Die Berliner Sternerestaurants 2017 auf einen Blick:

2 Sterne (7 Restaurants)

1 Stern (11 Restaurants)

Eine weitere Auszeichnung erfahren die besten Köche der Hauptstadt zudem seit 1997 jährlich bei der Wahl der „Berliner Meisterköche“. Es werden die Besten der gehobenen Hauptstadt-Gastronomie in sechs Kategorien geehrt: Berliner Meisterkoch, Brandenburger Meisterkoch, Aufsteiger des Jahres, Berliner Gastgeber, Berliner Szenerestaurant und Gastronomischer Innovator.

Zuletzt ging der Titel des Berliner Meisterkochs an Markus Semmler, der seit über 17 Jahren ein fester Begriff in der Berliner Gastronomie ist. Seit 2011 führt er die Regie in seinem eigenen Lokal, das er schlicht „Das Restaurant“ getauft hat, und betreibt nebenbei auch noch einen Catering Service. Das Geheimnis seines Erfolgs liegt in klassischen Gerichten, bei denen hochwertige Produkte raffiniert in den Mittelpunkt gestellt werden. Es gibt nur ein festes Menu, und das an maximal vier Abenden in der Woche. Der luftige Gastraum bekommt eine persönliche Note durch einen alten Küchenschrank von Semmlers Großmutter und ein Stier-Gemälde, das von einem Freund gemalt wurde. www.kochkunst-ereignisse.de

Mehr zur Initiative von Berlin Partner und den aktuellen Gewinnern hier.

Kochlabor Berlin: Neue Trends in der Hauptstadt

Berlin wird ihrem Ruf als Stadt, die sich nie auf ihren Lorbeeren ausruht, auch im gastronomischen Bereich gerecht. Immer wieder hat Berlin die Nase vorn, wenn es darum geht, neue Trends zu kreieren oder umzusetzen.

Einer, der viel Erfahrung hat, sich immer wieder neu zu erfinden, ist Heinz „Cookie“ Gindullis. Der einstige Club-Impresario hat sich seit einigen Jahren ganz dem Kulinarischen verschrieben und mit seinem neuesten Baby – der Data Kitchen am Hackeschen Markt – der Digitalisierung der Gastrobranche in Berlin den Weg geebnet. Zusammen mit SAP, und inspiriert von der Eatsa-Kette aus San Francisco, hat er ein futuristisches Konzept entwickelt, dem zufolge die Gäste ihre Bestellung über eine App aufgeben und bezahlen, um diese dann frisch zubereitet an der „Food Wall“, einem digitalisierten Automaten am Eingang zur Data Kitchen, in Empfang zu nehmen. Die saisonal-regionalen Gerichte können dann entweder mitgenommen oder im minimalistisch-modernen Cafe konsumiert werden.

Dass auch mit Vorspeisen ein magenfüllender Abend gestaltet werden kann, zeigt seit Ende Januar die Bricole Bar im Prenzlauer Berg. Hier präsentiert Fabian Fischer eine regional-saisonale Karte an kleinen, von der französischen Bistroküche inspirierten, Köstlichkeiten. Die Weine gibt es zum Einkaufspreis plus 16 Euro Korkgeld.

Das Beste kommt zum Schluss? Nicht in der Coda Dessert Bar, wo der Nachtisch zum gastronomischen Haupterlebnis befördert wird. Rene Frank, einst Patissier im Osnabrücker Drei-Sterne-Restaurant La Vie, zeigt in seinem Neuköllner Lokal wie man mit Kreativität, Know-How und Mut zum Experiment den Gaumen mit Kompositionen wie Bitterschokolade an Pflaume, Haselnuss und Zichorie verführt. Passend dazu: perfekt kuratierte Drinks.

Restaurant gehen, um selber zu kochen, mag widersprüchlich klingen, kann aber eine durchaus gesellige und schmackhafte Sache sein. So wird beispielsweise im Friedrichshainer Stock & Stein Fleisch, Fisch und Gemüse auf einem 350 Grad heißen Naturstein, der mitten auf dem Tisch platziert wird, nach eigenem Gusto gewürzt und gegart. Auch im Fes Turkish Barbecue, einem innovativen türkischen Restaurant in Kreuzberg, darf der Gast selbst am elektrischen Tischgrill Hand anlegen und dazu viele kleine Vorspeisen und Raki genießen. Dass das gleiche Prinzip auch auf Koreanisch funktioniert, zeigt das nicht weit vom Fes entfernte Ssam Korean Barbecue, wo hauchdünn geschnittene Fleischscheibchen und knackiges Gemüse auf in den Tischen eingelassenen Gasgrills zubereitet werden.

Ein Ableger aus Tel Aviv ist das im Februar 2017 geöffnete Nithan Thai. Inhaber und Michelin-dekorierter Küchenchef ist Shahaf Shabtay, der hier klassischer siamesischer Küche mit seinen auf vielen Reisen um die Welt gesammelten Ideen einen frischen, modernen Touch verleiht. Der üppig gestaltete Speiseraum besticht durch eine golden-braune Farbpalette mit viel Holz, verspielten Lampen und eleganten Buddha-Statuen. Brot aus der hauseigenen Backstube, eine umfangreiche Weinkarte und Kochkurse runden das Angebot ab.

Kiezrestaurants für Feinschmecker

Während man anderorts „in die Stadt“ zum Ausgehen fährt, bleibt der Berliner am liebsten im eigenen Kiez. Da er aber auch eine genussorientierte Spezies ist, verwundert es nicht, dass Kiezrestaurants oft von überraschend hoher Qualität sind. Gerade in Kreuzberg profiliert sich seit neuestem ein bemerkenswertes Trio an gourmetverdächtigen Kandidaten.

Mit Urwaldtapete und einer fleischbetonten Karte kommt das Tulus Lotrek in der Kreuzberger Fichtestraße genauso eigensinnig daher wie sein Namenspate, der französische Maler Henri de Toulouse-Lautrec. Auch die Küche ist eine französische Geschmacksschmiede, geleitet von Maximilian Strohe, der weder vor aromatischen Soßen noch vor dem „Buttertrick“ zurückschreckt. Dank der charmanten Gastgeberin Ilona Scholl fühlt man sich gleich beim ersten Besuch wie „von nebenan“.

Die Gaststätte am Ufer, direkt am Landwehrkanal gelegen, ist ebenfalls ein solcher Wohlfühlort. Das Restaurant ist der erste Soloflug von Tilo Roth, der sich zuletzt im Promitreff The Grand einen Ruf erkocht hat. Bewusst entspannt gehalten sind Name und Ambiente, betont qualitätsvoll und kreativ ist die moderne, europäische Küche. Extrapunkte gibt’s für den günstigen Mittagstisch, die integrierte Craft Beer- und Cocktailbar sowie die Sommerterrasse.

Ebenfalls in aller Munde ist das Lode & Stijn in der Lausitzer Straße. Hinter dem Namen stecken die holländischen Köche Lode van Zuylen und Stijn Remi, die mit ihrer schnörkellosen, aber punktgenauen Produktküche viele Fans gewonnen haben. Im Restaurant gibt es Vier- und Sechs-Gang-Menüs, an der Bar kleinere Speisen zum Teilen. Vorsicht: das hausgemachte Sauerteigbrot hat Suchtpotential.

Im Westen viel Neues

Der Westen ist „im Kommen“, heißt es schon seit langem. Viele Jahre liefen Mitte, Kreuzberg und Prenzlauer Berg Charlottenburg den Rang ab, wenn es um innovative Ess-Locations ging. Doch so langsam liegt was in der West-Berliner Luft: Allein im letzten Jahr haben hier viele spannende Neuzugänge geöffnet, die teils sogar von Szenegastronomen aus den hippen östlichen Bezirken betrieben werden.

So ist das 893 Ryōtei der neueste Ableger von Duc Ngo, der schon lange Berliner Gaumen in seinen Restaurants Kuchi und Cocolo mit Sushi und Nudelsuppe verwöhnt. Hinter der mit Graffiti bekleckerten Fassade einer ehemaligen Schlecker-Filiale überrascht das Ryōtei mit dunklen, edel-hippen Räumlichkeiten und international bereits sehr angesagter „Nikkei-Küche“. Von japanischen Peru-Einwanderern kreiert, kombiniert sie asiatische und südamerikanische Einflüsse, was in Gerichten wie Sashimi Taquitos oder Samba Steak zum Ausdruck kommt. Wer es lieber nudelig mag, geht auf der anderen Straßenseite in Duc‘s Madame Ngo, wo aromatische Pho-Suppen im Mittelpunkt der Speisekarte stehen.

Ebenfalls neu in Charlottenburg ist Kame, Berlins erste japanische Bäckerei mit angeschlossenem Cafe. Statt Schrippen und Käsekuchen gibt es hier hausgemachte Pan (gedämpfte Brötchen), Onigirazu (Reistaschen) und Matcha-Kekse. Die Auswahl an exotischen Leckereien ist groß und der Kaffee kommt von der Berliner Andraschko Manufaktur.

Brunch war gestern, Brinner – ein amerikanisches Wort-Hybrid aus Breakfast und Dinner – ist heute. Jedenfalls im Benedict in Wilmersdorf, wo rund um die Uhr im gemütlichen, an Laura Ashley erinnernden Ambiente ausschließlich internationale Frühstücks-Spezialitäten serviert werden. Eggs Benedict um 9 Uhr, Shakshuka als Nachmittagssnack oder klassisches Müesli vorm Zubettgehen – die umfangreiche Karte lädt den Magen zum Querdenken ein. Das originelle Konzept kommt aus Tel Aviv, wo sich schon seit langer Zeit zwei Benedict Filialen großer Beliebtheit erfreuen.

Das mit viel Kunst eingerichtete Le Petit Royal ist ein kleiner Ableger des Promirestaurants Grill Royal und zieht mit moderner französischer Bistroküche ein breites Publikum vom Szenegänger bis zum Feinschmecker an. Der Schwerpunkt liegt auf fangfrischem Fisch und gutem Wein, der in einem begehbaren Schrank lagert und gut zu den Kajütenschwingtüren, den mit venezianischem Rubelli-Stoff gepolsterten Stühlen und der holzverkleideten Bar mit dunkelgrüner Pfauentapete passt.

Auch der Berliner Zwei-Sterne-Koch Tim Raue hat mit seiner Brasserie Colette den Schritt in den Westen gewagt. Hier werden klassische französische Gerichte gerne auch mal etwas unkonventionell aufgepeppt, so z.B. Croque Madame mit Trüffel, Kabeljau mit Speckschaum oder Hummer mit Melone. Ein Blickfang in dem gepflegten Interieur ist eine Wandverkleidung aus historischen Apotheker-Schränken.

Noch mehr Neues:

The Butcher – Gourmetburger und butterzarte Spareribs in hippem Ambiente.

W - Der Imbiss – kombiniert auf originelle Weise die indische, mexikanische, kalifornische und italienische Küche; in Mitte und seit neuestem auch in Schöneberg. Spezialität: Naan Pizza.

Potsdamer Straße: Vom Schmuddelkiez zum Gastro Hotspot

Schon seit Jahren bewegt sich etwas auf der nicht gerade glamourösen Potsdamer Straße in Schöneberg. Erst kamen Galerien und Designer, jetzt entdecken namhafte Gastronomen den Kiez für sich. Den Anfang machte im Sommer 2016 Ludwig Cramer-Klett (Katz Orange), der mit dem Panama einen Sehnsuchtsort im Hinterhof eines ehemaligen Fabrikgebäudes eröffnete. Auf zwei Etagen und der Terrasse kommt deutsche Küche, verfeinert mit globalen Einflüssen, auf die Teller. Das Interieur spielt mit Kontrasten: hohe Decken, große Fenster und schlanke Säulen auf der oberen Etage, warme Loungeatmosphäre im Erdgeschoss. In der Tiger Bar nebenan gibt’s Craft Beer und Cocktails.

Ungefähr zeitgleich begann das Tagescafe Oliv Eat hippe Kundschaft mit Kaffeespezialitäten und Zeitgeist-kompatiblen Gerichten wie Avocadotoast, Pulled Pork und Rote-Bete-Salat in seinen Bann zu ziehen. Die Einrichtung gibt sich reduziert-stilvoll mit hohen Decken, Messingtresen, Betonwänden und Stahlmöbeln. Von den Terrassentischen, aber durch die bodentiefe Fensterfront auch aus dem Innenbereich, lässt sich wunderbar das bunte Kieztreiben im Auge behalten.

Weiter ging’s im Januar 2017, als im ehemaligen Tagesspiegel-Areal die erste Deutschland-Dependance der dänischen Kultkette Sticks’n’Sushi an den Start ging. In der offenen Küche versehen Song Lee aus Seoul und sein Team japanische Klassiker wie Sushi und Yakitori mit einem skandinavischen Touch. Diniert wird in einem Raum mit fast kathedralenähnlichen Dimensionen, der durch gigantische Deckenleuchter, eine skulpturaln Wendeltreppe und anderen Blickfängern kosmopolitische Gemütlichkeit verliehen bekommt.

Erst ein zweiwöchiges Pop-Up, seit März 2017 ein schickes Restaurant auf der Lützowstraße. Das Kin Dee nimmt Gäste mit auf einen kulinarischen Ausflug nach Thailand. Bei dem neuesten Projekt des Investorenteams des Grill Royal interpretiert Küchenchefin Dalad Kambhu traditionelle Thai-Rezepte für das 21. Jahrhundert. Besonderen Wert legt sie auf die hausgemachten Gewürzpasten, welche die Grundlage der meisten Gerichte bilden. Die Kunst von Rirkrit Tiravanija sorgt für Hingucker in dem in warme Sandfarben getauchten Restaurant.

Leckeres aus der „Resteküche“
Auch im Kampf gegen die Verschwendung haben sich in Berlin verschiedene Konzepte etabliert. So widmet sich beispielsweise der gemeinnützige Verein „Restlos Glücklich“ der Rettung von Lebensmitteln, die nicht verkaufbar aber trotzdem völlig genießbar sind. Aus krummen Karotten, überreifen Erdbeeren oder Tomaten aus der angedellten Dose werden leckere Gerichte gezaubert und im vereinseigenen Restaurant in Neukölln serviert.

Auch „Too Good To Go“ ist eine Initiative, die sich der Verschwendung von Essbarem entgegenstemmt. Über eine App und Homepage bieten Restaurants, Cafés und Bäckereien kurz vor Geschäftsschluss übrig gebliebene Speisen für wenig Geld zum Abholen an, anstatt sie in die Mülltonne zu werfen.

Wie Too Good To Go wurde auch „Original Unverpackt“, Deutschlands erster Supermarkt ohne Verpackungsmüll, in Berlin geboren. Nudeln, Müsli & Co werden hier aus großen Behältern in wieder benutzbare kleinere abgefüllt. Mittlerweile hat sich das Konzept auch in anderen Städten verbreitet.

Kulinarische Stadtführungen: Berlin von seiner schmackhaften Seite

Gutes Essen läuft zwar noch nicht traditionellen Sehenswürdigkeiten wie dem Brandenburger Tor oder dem Fernsehturm den Rang ab, ist aber für viele urbane Nomaden zur wichtigen Komponente einer Städtereise geworden. Wie praktisch, dass ein wachsendes Angebot an kulinarischen Führungen Neuankömmlingen schnell leckere Einblicke in die lokale Gastroszene vermittelt.

Wie der Name bereits vermuten lässt, ist die German Food Tour darauf spezialisiert, ihren Gästen die Vielfalt der traditionellen deutschen und Berliner Küche vorzustellen. Vier Restaurants werden auf den Führungen angesteuert, wobei jeweils ein Snack aus verschiedenen deutschen Regionen mit Bier- oder Weinbegleitung serviert wird. Ebenfalls im Angebot: Die Berlin Food Tour, die Halt in einer historischen Markthalle, einem Wirtshaus und einer Konditorei mit hausgemachten Torten macht.

Die von Sam Reidie ins Leben gerufene Firma „Bite Berlin“ bietet nachmittags dreistündige Rundgänge an, die am Hackeschen Markt anfangen und im Prenzlauer Berg enden. Unterwegs werden die Gäste mit sechs kleinen Köstlichkeiten verwöhnt, darunter sowohl Berlintypische Speisen als auch internationale Gerichte, die Einfluss auf deutsche Essgewohnheiten geübt haben.

Auf der Original Berlin Food Tour führt Bastian Schwithal seine Gäste zu ungewöhnlichen und oft versteckten Restaurants, Cafés, Delis und Bars abseits der Touristenpfade. Ob Currywurst oder Craft Beer, Markthallen oder Bäckereien – das gesamte kulinarische Spektrum steht auf dem Programm. Nebenbei vermittelt Schwithal interessante Einblicke hinter die Stadtkulisse, erklärt wie die Berliner ticken und gibt Tipps für Entdeckungen auf eigene Faust.

Sieben Kostproben in drei Stunden verspricht Eat The World – genug, um satt zu werden und Appetit auf mehr zu bekommen. Im Angebot sind sieben kulinarische Spaziergänge durch die unterschiedlichsten Stadtteile, vom beschaulichen Friedenau bis ins pulsierende Neukölln. Die Firma wurde 2008 in Berlin gegründet und hat seitdem in vielen anderen deutschen Städten Fuß gefasst.

Wer es gerne exklusiv mag und die Stadt von ihren ungewöhnlichsten Seiten entdecken möchte, sollte eine GastroRallye mit den Berlinagenten buchen. Inhaber Henrik Tidefjaerd und sein dynamisches Team führen kleine Gästegruppen zu den besten und hippsten Restaurants, zeigen ihnen versteckte Highlights und verraten Insider-Tipps und Geheimnisse. Die abendfüllenden Touren machen drei oder vier Stopps an den verschiedensten Lokalitäten. An jedem wird ein Gang mit Getränkebegleitung serviert.

Berlin: Vegan-Hauptstadt Europas

Wer immer noch Gerichte mit Fleisch ist, hinkt schwer dem Vegan-Trend hinterher, will man den vielen Artikeln glauben, die über die Ethik des Essens von Tierprodukten philosophieren. Kein Wunder, dass in den letzten Jahren vegane und vegetarische Restaurants regelrecht aus dem Boden geschossen sind. Weil ihre Dichte in Berlin besonders hoch ist, wird die Stadt sogar inoffiziell als Vegan-Hauptstadt Europas gehandelt. Auch Veganz, die weltweit erste vegane Supermarktkette, kommt aus Berlin. 2011 gegründet, betreibt sie jetzt zehn Filialen in deutschen Städten sowie Wien und Prag. Demnächst sollen die Produkte auch in den USA erhältlich sein.

„Make Hummus, Not Walls“ ist das erfrischende Motto von Hummus & Friends, einem veganen und koscheren Bistro neben der Neuen Synagoge in Mitte. Der Star des Menus ist natürlich Hummus, der hier mit besonderen Kichererbsen aus der Region Galiläa zubereitet wird. Ebenfalls beliebt ist der Friends Salat, ein gesunder Genuss aus Kräutern, Nüssen, Gemüse und Cranberries in einer Orangenvinaigrette. Das Lokal selbst ist rustikal-urban eingerichtet und verfügt über eine offene Küche und Tische im lauschigen Innenhof.

Im Prenzlauer Berg haben der israelische Marketingstratege Oz Ben David und der palästinensische Koch Jalil Dabit gemeinsam das Restaurant Kanaan eröffnet. Mit einem großen Erfahrungsschatz und viel Energie bringen sie den Berlinern ihre heimische Küche näher. Auf der Karte stehen neben Hummus auch die herzhaften und immer beliebter werdenden Gerichte Shakshuka und Sabich. Serviert wird in einer simplen Hütte, im Sommer mit Biergarten. Neue Konzepte, wie Kochkurse und ein Konzeptstore, in dem importierte Zutaten wie Tahini oder Dattelsirup angeboten werden sollen.

Ein Eckpunkt der veganen Szene im Prenzlauer Berg ist das Lucky Leek, in dem Josita Hartanto sich 2015 einen Eintrag in den Guide Michelin erkochte. Ihr Können zeigt sie mit innovativen Geschmackskompositionen wie Aprikosen-Walnuss Köfte, Kürbismaultaschen an roter Zwiebel-Emulsion und Zitronengras-Crème-Brûlée.

Mit dem Daluma in Mitte ist jetzt auch der Superfood Detox Trend in Berlin angekommen. In dem puristisch eingerichteten Ladencafé gibt es neben Power-Smoothies aus roter Bete, Gurke, Spinat, Limette, Kokoswasser, Spirulina-Algen und anderen entgiftenden Zutaten auch gesundes Frühstück und Hauptspeisen. Sie bestehen aus einer Basis aus Linsen, Pasta, Quinoa oder Reis sowie verschiedenen Toppings wie einer süßsauren Mandel-Limette-Kombination. Alle Speisen und Getränke gibt es auch zum Mitnehmen.

Berliner Küchenklassiker

Auch wenn die deutsche Hauptstadt bei vielen kulinarischen Trends die Nase vorn hat, gibt es sie noch, die traditionelle Berliner Küche: kräftig, deftig, direkt. Eisbein mit Erbspüree, Kalbsleber „Berliner Art“, Sülze mit Bratkartoffeln oder Buletten mit Senf – sie alle gehören zu den Klassikern, die schon seit Jahrhunderten auf heimischen Herden zubereitet werden. Etwa auf dem Herd von Berlins ältester Gaststätte Zur Letzten Instanz, die seit 1621 im Geschäft ist und schon Napoleon und Goethe bewirtet haben soll.

Auch das Wirtshaus Henne, seit 1908 in Kreuzberg beheimatet, genießt Kultstatus. Leider musste John F. Kennedy während seines Staatsbesuches 1963 die Einladung ablehnen, das legendäre Grillhähnchen zu probieren. Immerhin schickte das Weiße Haus eine persönliche Entschuldigung. Noch ein bisschen älter (seit 1902) ist das in der Nähe gelegene Wirtshaus Max & Moritz, wo es das zur Hausmannskost besonders gut passende hauseigene Pils namens Kreuzberger Molle zu trinken gibt.

In Charlottenburg zählt das Diener Tattersall zu den berühmtesten Altberliner Etablissements. Nach der Übernahme durch den Schwergewichtsboxer Franz Diener in den 50er Jahren avancierte es zu einer Künstlerkneipe. Von Hildegard Knef über Harry Belafonte bis Harald Juhnke – sie alle kamen auf Bier und Bulette vorbei und hinterließen signierte Schwarz-Weiß-Fotos, die bis heute die Wände dekorieren.

Berliner Kultsnack: Currywurst

Als Snack verspeisen die Berliner gern ihre geliebte Currywurst. Die wurde ja schließlich auch in ihrer Stadt erfunden, nämlich von Herta Heuwer, die sie zum ersten Mal 1949 an ihrem Imbissstand in Charlottenburg anbot. Die Original-Location gibt es nicht mehr, dafür verewigt aber eine Gedenktafel an der Kantstraße 101 die 1999 verstorbene „Grande Dame der Currywurst“.

Einige Wurstbuden haben im Laufe der Zeit Kultstatus erreicht, darunter auch Konnopke’s Imbiss in einem Kiosk unter der Hochbahn im Prenzlauer Berg. Schon 1930 verkauften Max Konnopke und seine Frau Charlotte Bockwürste, Knacker und Wiener in dem Kiez, 1960 boten sie die erste Currywurst Ost-Berlins an – und bis heute ist der Betrieb in Familienhand.

Ein echter Insider-Tipp ist Curry Wolf in Charlottenburg, wo man die Würste mit Blick auf die Gedächtniskirche verspeisen kann. Die Soßen sind natürlich hausgemacht; wer’s gerne scharf mag, bestellt die Spezialsoße „Opium“. Die Wurst gibt es übrigens auch zum Mitnehmen im Glas, was nicht nur Souvenirhungrige Touristen erfreut, sondern auch oft bei Catering-Veranstaltungen zum Einsatz kommt. Auch die Kreuzberger Kultwurst Curry 36 hat am Bahnhof Zoo eine Filiale.

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