Berlin barrierefrei

Sightseeing, Erholung und Unterhaltung für Touristen mit Handicap

Berlin Barriere frei – © cw design/photocase.com

Berlin, September 2013 Berlin ist auf seine Besucher immer besser eingestellt. Die Hauptstadt bietet auch denjenigen, die wegen körperlicher Beeinträchtigungen auf eine barrierefreie Umwelt angewiesen sind, viele Möglichkeiten, die Stadt zu erleben. Hierzu zählen gezielte Informationen zur Anreise und zur Unterbringung, ein kostenloser Begleitservice für Fahrgäste der BVG und der S-Bahn sowie zahlreiche Restaurants, Sehenswürdigkeiten und Shoppingmöglichkeiten. Dieser Einsatz zahlt sich aus: Berlin gilt als besonders behindertenfreundlich und erhielt im Dezember 2012 von der Europäischen Kommission den Access City Award. Gelobt wurden der öffentliche Nahverkehr und die Bemühungen bei neuen Bauprojekten.

Anreise und öffentlicher Verkehr

Der Hauptbahnhof in unmittelbarer Nähe zum Regierungsviertel ist Europas größter und modernster Kreuzungsbahnhof. Zweimal wöchentlich werden hier öffentliche Führungen angeboten. Im Internet steht ein Audioguide mit zahlreichen Hintergrundinformationen zum Download bereit. Doch der Hauptbahnhof ist nicht nur architektonisch beeindruckend, sondern auch funktional und modern: Das Gebäude ist mit Blindenleit- und Orientierungssystemen sowie sprechenden Aufzügen ausgestattet. Ein Service, der in enger Kooperation mit dem Allgemeinen Blinden und Sehbehindertenverein Berlin entstanden ist. Die anderen Fernbahnhöfe in Berlin wie das Südkreuz oder der Ostbahnhof sind ebenfalls barrierefrei. Fragen zur Anreise, zur Hilfe beim Ein- und Aussteigen und weiteren Details beantwortet die Mobilitätszentrale der Bahn AG telefonisch unter 0180 551 251 2.

Für alle, die aus der Luft anreisen: Die Berliner Flughäfen sind weitgehend barrierefrei, entsprechende Parkplätze und Sanitärräume stehen in Tegel wie in Schönefeld zur Verfügung. Wer spezielle Assistenz benötigt, sollte dies vorher über die Fluggesellschaft anmelden.

Neben den Städtereiseangeboten in den Veranstalterkatalogen gibt es viele Spezialreiseveranstalter mit rollstuhlgerechten Bussen, die Berlin im Programm haben. Ihre Sightseeingtouren sind gezielt auf die Bedürfnisse mobilitätsbehinderter Kunden zugeschnitten.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die S-Bahn Berlin haben in den letzten Jahren einen Großteil der U- und S-Bahnhöfe mit Aufzügen oder Rampen ausgestattet. Im Umsteigebahnhof am Alexanderplatz, einem der Verkehrsknotenpunkte Berlins, sind alle Übergänge per Aufzug zu bewältigen. Zusätzlich weist ein Blindenleitsystem den Weg. Auf den Liniennetzen und Stadtplänen der BVG sind alle barrierefreien Bahnhöfe gekennzeichnet.

Die gesamte Busflotte der BVG besteht aus barrierefreien Fahrzeugen, die mit Hilfe von ausklappbaren Rampen den Zugang zum Fahrzeug ermöglichen. Eine Ausnahme bildet die Ausflugs-Linie 218, auf der zum Teil Old-Timer-Bussen verkehren.

Besonders komfortabel sind die neuen Doppeldecker der BVG, die in ihren großzügigen Multifunktionsbereichen sowohl Platz für zwei Rollstühle als auch für Eltern mit Kinderwagen oder Fahrgästen mit Rollatoren bieten. Sie befahren unter anderem die populären Linien 100 und 200, die die bekanntesten Sehenswürdigkeiten zwischen Bahnhof Zoo und Alexanderplatz anfahren. Auch ein Großteil der Straßenbahnlinien wird mit Fahrzeugen befahren, die an der ersten Tür über einen Hublift für einen Rollstuhl verfügen. Allgemeine Informationen für eine barrierefreie Linien und Fahrzeuge sind auf der Homepage der BVG zu finden.

Zur Erstellung von individuellen Reiserouten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln Berlins steht im Internet die Fahrplanauskunft zur Verfügung. Fahrgäste mit Mobilitätsbehinderungen wählen im Menü "fahrinfo-barrierefrei" und erhalten umgehend Empfehlungen für barrierefreie Routen. Telefonisch können entsprechende Routen im Call Center der BVG unter der Telefonnummer (030) 19 449 erfragt werden.

Europaweit einmalig ist der „Bus & Bahn Begleitservice“ des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB). Auf Wunsch können sich Fahrgäste der BVG und der S-Bahn kostenlos durch die Stadt begleiten lassen. Der Service gilt nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch für Senioren, Reisende mit sperrigem Gepäck oder Kinderwagen und Menschen, die in anderer Form in ihrer Beweglichkeit oder in ihrem Sehvermögen eingeschränkt sind. Ein entsprechender Nachweis ist nicht erforderlich. Wegen der hohen Nachfrage wird empfohlen, bereits sieben Tage vor der geplanten Fahrt einen Termin zu vereinbaren. Dieser wird dann am Tag vor der Reise bestätigt. Der Fahrtbegleiter sucht eine passende Verbindung aus, holt den Fahrgast – egal ob Berliner oder Tourist – an der Haus- bzw. Hoteltür ab, hilft beim Fahrscheinkauf und beim Umsteigen und begleitet ihn bis ans Ziel und auf Wunsch auch wieder zurück. Das Einsatzgebiet umfasst das gesamte Stadtgebiet Berlins inklusive Flughafen Schönefeld. Angeboten wird der Begleitdienst Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr. Interessierte können den Begleitservice per Telefon beim Servicebüro unter 030 – 34 64 99 40 bestellen.

Für alle diejenigen, die auf Gehhilfen angewiesen sind, haben viele Unternehmen Stadterkundungen im Bus, Kleinbus oder Mini-Van im Programm. Einen Überblick der wichtigsten Anbieter bietet visitBerlin.

Bei bbv Tours Berlin oder dem Tourenbus Fahrdienst können Berlin-Besucher einen Fahrdienst buchen, der spezielle Rollstuhlfahrerplätze und professionelles Sightseeing kombiniert.

Berlin hat mehr Brücken als Venedig – und zahlreiche Ausflugsschiffe, die von Spree, Oberhavel oder Landwehrkanal einen neuen Blick auf die Metropole eröffnen. In der Flotte der Stern und Kreisschifffahrt sind unter anderem die MS „Havel Queen“ oder MS „ Moby Dick“ speziell für Rollstuhlfahrer ausgestattet. Täglich legen sie an der Greenwich-Promenade in Tegel ab und lassen den Fahrgast die nördliche Insellandschaft Berlins erleben. Vorbei geht es zum Beispiel an der Villa Borsig, Konradshöhe und Alt Heiligensee. Weitere Strecken, auf denen behindertenfreundliche und behindertengerechte Schiffe verkehren, sowie Informationen zur Erreichbarkeit der Anlegestellen sind auf der Homepage unter dem Stichwort „Barrierefrei“ abrufbar.

Rollstuhlgerecht: Vom Fünf-Sterne-Haus bis zum Spezialhotel im Grünen

Die Berliner Hotellandschaft gilt als die modernste Europas, hier stellen mehr als 780 Beherbergungsbetriebe ihren Gästen gut 125.400 Betten zur Verfügung. Zahlreiche Häuser sind in den letzten Jahren neu entstanden und neuen Verordnungen folgend mit besonders breiten Eingängen und ausreichend Wendeplatz für Rollstühle ausgestattet. Im Bereich der luxuriösen Fünf-Sterne-Häuser verfügen unter anderem das Hotel Hilton Berlin, das legendäre Hotel Adlon und das The Westin Grand über je zwei rollstuhlgerechte Zimmer mit rollstuhlgerechtem Badbereich. Das im Januar 2013 eröffnete Luxushotel Waldorf Astoria bietet ebenfalls zwei barrierefreie Zimmer. Das Kongresshotel Maritim Hotel Berlin, zentral gelegen am Potsdamer Platz, hält 24 behindertenfreundliche Zimmer bereit, davon sind fünf rollstuhlgerecht. Ebenfalls am Potsdamer Platz gelegen, stellt das Scandic Berlin seinen Gästen 60 barrierefreie Zimmer zur Verfügung.

Doch auch im Bereich der Hostels und Herbergen sind einige Häuser rollstuhlgerecht ausgestattet – beispielsweise das Generator Hostel Berlin, Deutschlands größtes Jugendhostel mit 850 Betten.

Im Hotel Augustinenhof in Berlin Mitte sind acht von 63 Doppelzimmern barrierefrei und rollstuhlgerecht ausgestattet, und auch das Restaurant und drei Tagungsräume sind barrierefrei zugänglich. Sechs als rollstuhlgerecht ausgewiesene Doppelzimmer mit breiten Türen, schwellenlosem Zugang, Notruf und großräumig eingerichtetem Badbereich bietet das moderne Designhotel arcotel Velvet, das sich in der urbanen Nachbarschaft an der Oranienburger Straße befindet.

Einige Häuser haben sich gezielt auf Gäste mit körperlichen Einschränkungen spezialisiert. Das NH Hotel Berlin Alexanderplatz verfügt beispielsweise über ein Blindenleitsystem. Das Hotel Mitmensch im grünen Stadtteil Karlshorst möchte Reisenden mit speziellen Bedürfnissen unterhalb der gehobenen Preiskategorie angenehmen Service und komfortables Übernachten ermöglichen. Ausgestattet mit Automatiktüren, Bewegungsmeldern für die Beleuchtung sowie sieben rollstuhlgerechten Zimmer mit großzügigem Sanitärbereich, bietet das Haus sämtlichen Komfort.

Über ausschließlich barrierefreie Zimmer, insgesamt 13 an der Zahl, und Tagungsräume verfügt das Haus am Niederfeld. 27 Zimmer, deren Einrichtung an die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern angepasst ist, hat das Novotel Berlin Am Tiergarten vorzuweisen. Damit können dort auch größere Rollstuhlfahrergruppen wohnen. Im andel’s Hotel Berlin können Gäste spezielle Allergiker- und barrierefreie Zimmer mit Sonderausstattungen buchen. Und auch das abba Hotel und das
Melia bieten rollstuhlgerechte Zimmer an.

Insgesamt 97 für Rollstuhlfahrer geeignete Zimmer bietet das Hotel Kolumbus in Berlin-Lichtenberg. So ist es vor allem für Spezialreiseveranstalter interessant, die auf der Suche nach geeigneten Häusern für Gruppenreisen sind. Häufig übernachten hier ganze Sportlergruppen, die beispielsweise bei den deutschen Leichtathletikmeisterschaften des Behindertensports oder den Special Olympics für geistig und mehrfach behinderte Menschen antreten.

Sammlungen mit barrierefreien Zugängen und speziellen Führungen

Mehr als 180 Museen und Sammlungen prägen das kulturelle Angebot Berlins. Immer mehr Häuser sind nach Umbauten rollstuhlgerecht gestaltet, einige sind als rollstuhlgeeignet ausgewiesen, andere sind nur zum Teil mit dem Rollstuhl zu besichtigen. Aktuelle Informationen über die Zugänglichkeit und die örtlichen Bedingungen vieler Berliner Sehenswürdigkeiten, aber auch von Restaurants, Hotels und weiteren Angeboten bietet die Mobidat Datenbank, die der gemeinnützige Verein Albatros mit Informationen für Berlin-Besucher mit Handicap pflegt. Das Angebot steht auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Türkisch und teilweise auf Polnisch zur Verfügung.

Mit dem Rollstuhl befahrbar sind beispielsweise das Bode-Museum und das Neue Museum auf der Museumsinsel, in dem unter anderem die berühmte Büste der Nofretete bewundert werden kann. Barrierefrei ist auch das Musikinstrumentenmuseum neben der Philharmonie, wo Instrumente aus 500 Jahren Musikgeschichte nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören sind. Ein ganz besonderes Erlebnis bietet sich sonnabends im Anschluss an die 12-Uhr-Führung: Dann erklingt Europas größte Kino- und Theaterorgel, „The Mighty Wurlitzer“. Das Deutsche Historische Museum, das in seiner Ausstellung mehr als 2.000 Jahre deutscher Geschichte zeigt, das Bauhaus-Archiv, das einen umfassenden Eindruck in das Werk der Gestaltungs-und Architekturschule ermöglicht, sowie das Jüdische Museum Berlin mit dem beeindruckenden Neubau von Daniel Libeskind sind ebenfalls rollstuhlgerecht gestaltet. Für Gehörlose bieten unter anderem das Jüdische Museum sowie die Gemäldegalerie am Kulturforum Führungen in Gebärdensprache an.

Eine besondere Attraktion ist das Museum für Naturkunde, das neben zahlreichen Urtieren das weltweit größte Saurierskelett präsentiert: Einen Brachiosaurus von mehr als 13 Metern Höhe und 15 Metern Länge – knapp 50 Tonnen soll der Gigant zu Lebzeiten gewogen haben. Vorstellbar wird dies dank der speziellen Ferngläser „Juraskope", die die Dinosaurier virtuell wieder zum Leben erwachen lassen. Besucher mit Mobilitätsbehinderungen gelangen durch einen Treppenlift am Seiteneingang in die Ausstellungshalle.

Auch das Schloss Schönhausen stellt seinen Besuchern behindertengerechte Angebote zur Verfügung. Blinde und Sehbehinderte können mit speziellen Audio-Guides und Tastobjekten, wie etwa einem Schlossmodel oder dem Kleid einer Adligen, das Leben zu Hofe nachempfinden. Für Hörgeschädigte stehen Video-Guides in Gebärdensprache – inklusive Bilder der Schlossräume zur Orientierung – bereit. Das Schloss verfügt zudem über schwellenlose Türen, rollstuhlgerechte Ausstellungsvitrinen und einen Fahrstuhl. Damit ist ein problemloses Erkunden der Räume für Besucher mit Gehbehinderungen ohne Schwierigkeiten möglich. Audio-Guides mit Texten in vereinfachter Sprache vermitteln Menschen mit Lernschwierigkeiten anschaulich die Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner.

Das FührungsNetz der Kulturprojekte Berlin, das professionellen Service für verschiedene Museen und Ausstellungen anbietet, hat Führungen für Menschen mit Behinderung im Portofolio, die nach den besonderen Ansprüchen der Kunden ausgearbeitet werden.

Das Kleisthaus, der Dienstsitz der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, wurde in den vergangenen Jahren zu einem barrierefreien Veranstaltungsort für Kultur und Politik in Berlins Mitte ausgebaut. Hier finden immer wieder aktuelle Performances, Lesungen oder Ausstellungen behinderter und nicht behinderter Künstler statt.

Barrierefrei Shoppen bis zum späten Abend – und im Rollstuhl durch den Zoo

Der internationale, urbane Charme Berlins spiegelt sich nicht zuletzt in den zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, die sich den Besuchern an der Spree bieten. Von Montag bis Sonnabend haben viele Geschäfte bis in die späten Abendstunden geöffnet. Dazu zählen vor allem die großen Center und Kaufhäuser. Sie bieten unter einem Dach eine Vielzahl an Läden und verfügen über eine barrierefreie Bauweise. Die Potsdamer Platz Arkaden – täglich geöffnet bis 21 Uhr – sind mit Aufzügen und großzügigen, breiten Gängen ausgestattet. Die Galeria Kaufhof Berlin am Alexanderplatz kann mit Aufzügen und sanitären Einrichtungen für Kunden im Rollstuhl aufwarten. Die Lifts verfügen zudem über Etagenanzeigen und ertastbare Bedienelemente. Den gleichen Service bietet das größte Kaufhaus des europäischen Festlands: das KaDeWe am Wittenbergplatz. Es lädt auf sieben Etagen zum Bummeln, Kaufen und – vor allem in der berühmten Gourmetabteilung – zum Genießen ein. Die Geschäfte im Shoppingcenter Alexa direkt am Alexanderplatz haben täglich bis 21 Uhr geöffnet. Ausgestattet ist die Mall mit breiten Gängen und Aufzügen. Neben der Shoppingvielfalt bietet das Alexa noch weitere attraktive Freizeitangebote: Die Loxx Miniaturwelten, eine umfangreiche Modellbahnausstellung mit digital gesteuerten Zügen von der S-Bahn bis hin zum ICE sowie vielen Miniatur-Verkehrsanlagen und Stadtansichten, haben für rollstuhlfahrende Besucher vergünstigte Eintrittspreise.

Auch das Kiez-Shopping in den kleinen urigen und szenigen Läden ist mit Rollstuhl möglich: Einige Geschäfte sind mit dem Signet „Berlin barrierefrei“ ausgezeichnet, so dass die Adressen online über diese Website abrufbar sind. Andere sind in der Mobidat Datenbank verzeichnet. Im Rahmen des EU-Projekts „Barrierefreies Einkaufen in Friedrichshain-Kreuzberg“ setzen in diesem Bezirk besonders viele Gewerbetreibende auf eine barrierefreie Gestaltung ihrer Läden, beispielsweise in den bunten Einkaufszonen an der Bergmann- oder der Oranienstraße.

Tierfreunde, die nicht (mehr) gut zu Fuß sind, können im Tierpark Berlin, Europas größtem Landschaftstiergarten, sowie im Berliner Zoo, gratis einen Rollstuhlverleih in Anspruch nehmen. Ebenfalls kostenfrei ist die Vermittlung einer persönlichen Begleitung beim Zoobesuch; mehrere rollstuhlgeeignete WCs sind vorhanden.

Wer mit dem Rollstuhl in die Natur möchte, dem sei der Wanderführer „Barrierefrei ins Grüne“ empfohlen. Darin sind unterschiedliche Berliner Strecken ab 2,5 Kilometern so detailliert beschrieben, dass sie problemlos nachgefahren werden können.

Einen Überblick über die Berliner Sehenswürdigkeiten bietet der Modellpark Berlin-Brandenburg in der Wuhlheide, wo mehr als 50 historisch und architektonisch interessante Bauwerke wie das Brandenburger Tor, Schloss Sanssouci oder das Pergamonmuseum im Maßstab 1:25 nachgebaut wurden. Das Gelände ist barrierefrei gestaltet, zudem befinden sich rollstuhlgeeignete Toiletten im Park. Die Namen der ausgestellten Modelle sind in Blindenschrift lesbar.

Gastronomie barrierefrei

Seit 2006 müssen alle neu eröffneten Gaststätten in Berlin einen barrierefreien Zugang und entsprechend eingerichtete Sanitäranlagen vorweisen können. Doch auch von den länger bestehenden Restaurants sind viele rollstuhlgerecht gestaltet: Am Hackeschen Markt, wo sich im quirligen Stadttreiben der Hinterhöfe das alte und das neue Berlin begegnen, sind sowohl im Oxymoron als auch im Restaurant Hackescher Hof Besucher mit Rollstuhl herzlich willkommen. WCs stehen genauso zur Verfügung wie entsprechend breite Ein- und Ausgänge.

Deftige Berliner Hausmannskost tischt das Julchen Hoppe im Nikolaiviertel auf, wo in uriger Atmosphäre ebenfalls an die behindertengerechte Einrichtung gedacht wurde. Kulinarische Genüsse aus einer ganz anderen Weltregion – aus Vietnam – gibt es im Spezialitätenrestaurant Mr. Hai & Friends am Savignyplatz zu erleben, das barrierefrei zugänglich ist. Wer klassische Rindersteaks und andere Barbecue-Spezialitäten bevorzugt, ist im Midtown Grill am Potsdamer Platz richtig.

Bei Käfer, dem Dachgartenrestaurant im Reichstag, gibt es nicht nur Köstliches zur Mittags- wie zur Abendzeit, sondern auch die unmittelbare Nähe zum Parlament und politischen Entscheidungsträgern zu erleben.

Ein besonderes gastronomisches Erlebnis in Berlin sind zudem das Dunkelrestaurant Nocti Vagus sowie die unsicht-Bar: In totaler Finsternis servieren blinde Kellner und Kellnerinnen das Menü. Der Verzicht auf visuelle Reize fordert die übrigen Sinnesorgane und bietet Sehenden eine Ahnung davon, was es bedeutet, blind zu sein.

Service für Rollstuhlfahrer: Vom Pannendienst bis zum Sightseeing

Gibt es unterwegs ein Problem mit dem Rollstuhl, hilft der Rollstuhlpannendienst RPD Berlin rund um die Uhr mit einem Notdienst. Verleihfirmen für Rollstühle und Hilfsmittel sorgen im Notfall für schnellen Ersatz. Hilfe bietet auch das Deutsche Rote Kreuz.

Die Standorte öffentlicher barrierefreier Toiletten findet man auf der Internetseite der Herstellerfirma Wall.

Wer nicht allein reisen kann, dem stehen mehr als 20 Berliner Mobilitätshilfedienste zur Verfügung. Sie bieten älteren und behinderten Menschen Begleit- und Schiebehilfe an, wie Abholung vom Flughafen, Busbahnhof oder Bahnhof, Transfer, Ausflugs- und Einkaufsfahrten.

Die „BerlinSpecialGuides“ führen Menschen mit und ohne Behinderungen im Reichstag, durch Berlin Mitte oder Potsdam. Bei den speziellen Touren werden historische Episoden aus Berlins Vergangenheit ebenso vermittelt wie zahlreiche Informationen und Hintergründe zum Thema „Barrieren und Behinderungen“.

Die gläserne Kuppel des Reichstags, Sitz des Deutschen Bundestages, gehört zu den Publikumsmagneten der Stadt. Sie kann mit dem Rollstuhl besichtigt werden, steigt jedoch spiralförmig an. Daher empfiehlt es sich, mit einer Begleitperson zu kommen. Ein Extra-Eingang ermöglicht Menschen mit Behinderungen den sofortigen Einlass und erspart das Schlange stehen.

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas neben dem Brandenburger Tor ist die zentrale Holocaust-Gedenkstätte Deutschlands. Durch das von Peter Eisenman entworfene Stelenfeld führen 13 gekennzeichnete spezielle Passagen, die auch per Rollstuhl problemlos befahren werden können und höchstens acht Prozent Bodenneigung aufweisen. Der unterirdische Ort der Information, der an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus erinnert, ist per Aufzug zugänglich.

Des Mauerbaus und der Geschichte der geteilten Stadt wird in der Gedenkstätte und dem Dokumentationszentrum an der Bernauer Straße gedacht, wo einst die deutsch-deutsche Grenze verlief. Mauerreste am Originalstandort sind hier ebenfalls zu sehen. Das Zentrum verfügt über einen Aufzug und behindertengerechte Toiletten.

Touristische und kulturelle Höhepunkte für Sehbehinderte und Blinde

„Erlebnis Berlin“ heißt der erste akustische Reiseführer speziell für blinde und sehbehinderte Berlinbesucher. Er bietet detaillierte Wegbeschreibungen zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten und ermöglicht so seinen Nutzern, die Stadt eigenständig zu entdecken. Der akustische Reiseführer kann unter kostenlos runtergeladen werden.

Mitarbeiter des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins (ABSV) begleiten blinde Berlin-Besucher auf Wunsch durch Ausstellungen und zu vielen interessanten Orten und Veranstaltungen. Die Häuser der Staatlichen Museen zu Berlin wie die Gemäldegalerie bieten von Zeit zu Zeit spezielle Rundgänge an, die den Tastsinn in den Mittelpunkt der musealen Erkundungstour rücken – die Termine werden im Veranstaltungskalender auf der Website der betreffenden Museen ausgeschrieben.

Der Bundestag bietet sehbehinderten Menschen nach vorheriger Anmeldung einen besonderen Service: Sie dürfen bei Führungen neben der Besuchertribüne auch den Plenarsaal betreten, der anderen Gruppen verschlossen bleibt. So können sie die Abgeordnetensitze selbst ausprobieren und sich einen sinnlichen Eindruck des deutschen Parlaments verschaffen. Neue Modellbauten zum Tasten vermitteln außerdem ein Gefühl für die Dimension und Ausgestaltung des Reichstagsgebäudes.

Das 1695–1699 für Sophie Charlotte, Ehefrau von Friedrich III, errichtete Schloss Charlottenburg ist der größte und schönste Bau der preußischen Herrscher in Berlin. Die königlichen Räume im Schloss sind im Rahmen von Führungen zugänglich. Für Blinde und Sehbehinderte bieten sie ein besonderes Programm: Die gesamte Schlossanlage existiert im Kleinformat, so dass bei den Sonderführungen ein maßstabgerechtes Modell sowie verschiedene weitere Details das Bauwerk und seine Ausstattung „begreifbar“ werden lassen.

Auf eine mehr als 300jährige Tradition kann der Botanische Garten zurückblicken, eine der größten und bedeutendsten Anlagen weltweit. In einem speziell eingerichteten Duft- und Tastgarten können Besucher die Vielfalt der Pflanzenwelt sinnlich-fühlend erfahren. Wer einen Rollstuhl ausleihen möchte, hat an den Eingängen dazu Gelegenheit.

Mitten dabei im Olympiastadion – auch das ist möglich für blinde und sehbehinderte Berlinreisende. Als besonderer Service wird bei Heimspielen des Bundesligisten Hertha BSC ein Audiokommentar zum Spielgeschehen eingerichtet, der auf 50 Sitzplätzen über Kopfhörer verfolgt werden kann. Eine vorherige telefonische Anmeldung beim Hertha Fan-Beauftragten unter +49 / (0)30 / 30 09 28 55 ist notwendig.

In der Rosenthaler Straße 39 befindet sich, versteckt im Hinterhaus, die ehemalige Blindenwerkstatt Otto Weidt, die zu einem kleinen Museum umgebaut wurde. Otto Weidt war selbst sehbehindert und hat während des Zweiten Weltkrieges zahlreichen Berliner Juden mit seiner Besen- und Bürstenbinderei das Leben gerettet. Persönliche Dokumente wie Briefe, Gedichte und Fotografien zeigen eindringlich die Lebenssituation der ständig von Verfolgung und Deportation bedrohten Angestellten. Sämtliche Erklärungen zu den Exponaten im Museum sind in Blindenschrift zu lesen.

So genannte AD-Versionen, das heißt Kinofilme mit Audiodeskription, die über Kopfhörer übertragen wird, werden in Kinos wie dem Cinemaxx Kino am Potsdamer Platz sowie im Delphi Palast aufgeführt. Einen regelrechten Trend haben die „Hörspielkino“-Reihen ausgelöst, die im Sommer in Parks, im Winter freitags und sonnabends in den beiden Planetarien der Stadt laufen und für Blinde wie für Nicht-Blinde gleichermaßen attraktiv sind.

Gut informiert Berlin erkunden

Wer im Vorfeld umfassende Informationen recherchieren möchte, findet unter www.visitberlin.de zahlreiche Ideen für seine Reise. Hier gibt es besondere touristische Tipps, die sich an Besucher mit unterschiedlichen körperlichen Beeinträchtigungen wenden. Zudem bietet die Homepage eine sorgfältig ausgewählte Linkliste mit Hinweisen für Hörgeschädigte, Blinde und Sehbehinderte oder Menschen mit geistiger Behinderung. Weiterhin können über das Online-Buchungsportal – über die Funktion „Suche eingrenzen“ in der Trefferliste – sowie unter +49 / (0)30 / 25 00 25 gezielt rollstuhlgeeignete Zimmer gesucht und gebucht werden.

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