Von A bis Z wie Zierfische

© Maartje van Caspel
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Meist leuchtend, teilweise erleuchtend und in jedem Fall allgegenwärtig: Reklame. Genauer gesagt Schrift- oder Leuchtreklame. Sie ist Corporate Identity, Spiegelung des Zeitgeistes und quasi Dauerwerbesendung im Stadtbild. Oft werden die Leuchtschriften nur unterbewusst wahrgenommen: Das Berliner Buchstabenmuseum holt sie aus den geistigen Tiefen zurück an die Oberfläche.

Seit 2005 hat sich das Museum – aus Liebe zur Typografie – die Bewahrung und Dokumentation von Buchstaben zur Aufgabe gemacht und rettet bekannte und weniger bekannte Schriftzüge vor der Verschrottung.
Was heute meist von LED-Bildschirmen blinkt, wurde früher in mühevoller Handarbeit von gelernten Schrift- und Reklamemalern entworfen und gefertigt. Ob in schwungvoller Handschrift oder nüchterner Helvetica, jede Schriftart vermittelt auch immer Emotionen und wird in den gelungensten Fällen auch sofort mit einem Unternehmen in Bezug gesetzt. Welche Assoziationen eine eigene Inaugenscheinnahme weckt, kann man im Buchstabenmuseum testen.

Im kleinen Schaudepot in der Karl-Liebknecht-Straße reihen sich die typografischen Landmarks: hängend, gestapelt oder einfach an die Wand gelehnt. Allerdings wird nur ein Teil des gesamten Bestandes ausgestellt, da eine Vielzahl der Objekte eine beachtliche Größe aufweist. Der Rest verbirgt sich noch in den Kellern und erblickt hoffentlich in Zukunft in größeren Räumlichkeiten wieder das Tageslicht. Dort sollen dann die individuellen Geschichten, die typographischen Eigenheiten und Herstellungsprozesse dokumentiert werden.

In einer gesonderten Ausstellung erstrahlen als erstes Exponat die Zierfische, bis zum 26. März, wieder im alten Glanz. Die legendäre Leuchtreklame der jetzt geschlossenen Zoofachhandlung am Frankfurter Tor war jahrelang ein Wahrzeichen des Bezirks. Nach mehr als 20 Monaten der Einlagerung können „Typographile“ nun dem Summen der Neonröhren im neu gewonnenen Winterquartier, in der Karl-Marx-Allee 85, aus nächster Nähe lauschen.